In der Ferne - und doch so nah

05.07.2025

ein Lebenszeichen von Edith Jürgens

Es ist ein besonderer Moment, wenn der Wind einem das erste Mal nach langer Zeit kräftig um die Nase weht – nachdem man angekommen ist, nicht nur mit dem Gepäck, sondern auch mit dem Herzen.

Ich bin umgezogen, weit weg von dem, was lange mein Zuhause war. Nun lebe ich wieder an der Küste. Und plötzlich ist alles bekannt: der Klang der Möwen, das schwingende Schilf, der Duft von Salz, Schimmelreiters Spuren, die Weite des Himmels über dem Deich.

Der Neuanfang hat viele Gesichter. Es gibt Tage des Vermissens – aber auch Begegnungen, die wie ein langersehnter Gruß aus der Vergangenheit sind: ein wiedergefundenes Lächeln. Näher bei der Familie. Alte Freunde, die plötzlich wieder auftauchen. Eine neue Nachbarin, die mir beim Blumengießen hilft. Nun kann ich auf dem Deich sitzen und in die Ferne schauen. Barfuß im Watt, den Schlick zwischen den Zehen, spüre ich, wie gut es tut, innezuhalten. Der Horizont erinnert mich daran, dass Gottes Möglichkeiten weiter reichen als mein Blick.

Manches lasse ich zurück – Menschen, Orte, Wege, die vertraut waren. Es war eine gute Zeit. Nun beginnt eine neue. Ich weiß: Ich gehe nicht allein. Gott ist schon da, wo ich erst ankomme. Auch wenn ich nun in der Ferne lebe, bleibe ich den Evangelischen Kirchengemeinden Thale – Bad Suderode – Friedrichsbrunn verbunden – durch die regelmäßigen Texte für das Gemeindeheft, durch Gedanken, Gebete und Dankbarkeit.

Und vielleicht begegnen wir uns ja auch wieder – auf ein Wort, ein Lächeln, einen Kaffee. Und manchmal spürt man: Die Nähe Gottes kennt keine Entfernungen.

Moin. Moin sendet Edith Jürgens